(42) Die Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz: Ein Pfarrer gegen das Regime (mit Wolfgang Stock)
Shownotes
In dieser Folge geht es um den evangelischen Pfarrer Oskar Brüsewitz, der sich am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz selbst anzündete. Vier Tage später starb er an seinen Verletzungen. Seine Tat richtete sich gegen die Unterdrückung der Kirchen und Christen durch die DDR.
Mit dem Journalisten und Brüsewitz-Biografen Wolfgang Stock sprechen wir darüber, was Brüsewitz zu seiner Tat trieb, wie der DDR-Staat auf den unbequemen Dorfpfarrer reagierte und welche Rolle die evangelische Kirche spielte.
Stock beschreibt Brüsewitz als erfolgreichen und leidenschaftlichen Missionar, der mit ungewöhnlichen Aktionen Aufmerksamkeit erregte. Staat und Staatssicherheit setzten ihn zunehmend unter Druck. Zugleich zeigen neu ausgewertete Kirchenakten, dass auch die Kirchenleitung auf eine Versetzung des Pfarrers drängte.
Wir sprechen unter anderem über:
- Brüsewitz’ spektakuläre Aktionen gegen die atheistische Staatsideologie
- die Überwachung durch die Staatssicherheit
- seine Arbeit mit Jugendlichen und seine missionarischen Erfolge
- die letzten Wochen vor seiner Selbstverbrennung
- die Reaktion von DDR-Staat und Kirche
- neu zugängliche Akten der evangelischen Kirche
- die Frage, welche Wirkung sein Tod auf Christen und Oppositionelle in der DDR hatte
- Brüsewitz’ theologisches Anliegen und seine Bedeutung heute
Stock kommt zu einem klaren Urteil über die Wirkung der Selbstverbrennung: „Das Fanal von Zeitz von Oskar Brüsewitz war der Anfang vom Ende der DDR, 13 Jahre vor 1989.“
Kritisch blickt er auf die damalige Kirchenleitung: „Die Kirche war in dem Punkt, in diesem entscheidenden Punkt nicht solidarisch mit ihrem Bruder.“
Über Brüsewitz selbst sagt Stock: „Er war ein unbedingter Nachfolger Jesu Christi. Er wollte die Menschen mit seinem Herrn und Heiland bekannt machen.“
Buchtipp: Wolfgang Stock, Helmut Müller-Enbergs: „Das Fanal. Das Opfer des Pfarrers Oskar Brüsewitz am 18. August 1976 und die Evangelische Kirche“, 2026 in dritter, erweiterter Auflage erschienen.
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Transkript anzeigen
Wolfgang: Zum Beispiel hat er angefangen, sein eigenes Grab auszuheben.
Wolfgang: Und zwar nicht auf dem Friedhof, sondern auf der anderen Seite der Kirche,
Wolfgang: in der sogenannten Selbstmörderecke, wo schon ein anderer lag.
Wolfgang: Und als er gefragt wurde, warum hebt es da ein Grab aus, hat er gesagt,
Wolfgang: sinngemäß, da wird jemand kommen.
Wolfgang: Also da hätte man sich natürlich schon Gedanken machen können.
Wolfgang: Wie kann er wissen, dass jemand in der Selbstmörderecke begraben werden muss?
Wolfgang: Aber wir kennen das, im Nachhinein ist man oft schlauer und es war eben so eine
Wolfgang: ungeheuerliche Tat, dass man das nicht in Erwägung hat.
Nico: Ein Mittwoch im August 1976 in Zeitz in der damaligen DDR.
Nico: Vor der Michaeliskirche stellt der Pfarrer Oskar Brüsewitz zwei Plakate auf.
Nico: Darauf steht Funkspruch an alle, Funkspruch an alle.
Nico: Wir klagen den Kommunismus an wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen,
Nico: an Kindern und Jugendlichen.
Nico: Und auf dem zweiten steht Funkspruch an alle, Funkspruch an alle.
Nico: Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an.
Nico: Wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen.
Nico: Danach übergießt sich der Pfarrer mit Benzin und zündet sich an.
Nico: Vier Tage später, am 22. August 1976, erliegt Brüsewitz seinen Verletzungen.
Nico: Viele kennen die Geschichte von Oskar Brüsewitz, aber es sind doch immer wieder
Nico: dieselben Fragen, die sich die Menschen stellen, wenn man das so in diesen Tagen
Nico: auch das Jubiläum wahrnimmt.
Nico: Was trieb diesen Mann eigentlich an, sich selbst zu verbrennen?
Nico: Hätte er auch nicht irgendwie anders protestieren können?
Nico: Wollte er vor allem ein politisches Zeichen setzen, ein revolutionäres Zeichen
Nico: und wie stark ging es dabei auch um seinen Glauben?
Nico: Darüber spreche ich heute mit Wolfgang Stock. Wolfgang Stock ist Vorsitzender
Nico: des Brüsewitz-Zentrums und einer der wichtigsten Experten bei diesem Thema.
Nico: Er war auch im Vorstand des christlichen Medienverbunds CAP,
Nico: also der christlichen Medieninitiative Pro heute,
Nico: und er hat ein Buch dazu geschrieben zusammen mit Helmut Müller-Enbergs und
Nico: das Buch dazu heißt Das Fanal, das Opfer des Pfarrers Oskar Brüsewitz.
Nico: Am 18. August 1976 und die Evangelische Kirche.
Nico: Es ist jetzt aktuell in der dritten Auflage erschienen.
Nico: Wir verlinken euch das auch gerne noch in den Shownotes, aber jetzt möchten
Nico: wir mal über dieses wichtige Thema sprechen. Herzlich willkommen, Wolfgang Stock.
Wolfgang: Hallo, guten Morgen, guten Tag.
Nico: Wir zeichnen jetzt ja auf am 19. August, also einen Tag nach dem Gedenken.
Nico: Du kommst jetzt gerade aus einer Reihe wichtiger Termine, die jetzt mit diesem
Nico: Jubiläum auch, Jubiläum ist vielleicht das falsche Wort, mit dem Jahrestag in Verbindung stehen.
Nico: Du hast dich sehr stark mit Oskar Brüsewitz beschäftigt, schon seit über 30 Jahren.
Nico: Vielleicht diese einfache Frage am Anfang, was triebt diesen Mann an,
Nico: sich selbst zu verbrennen?
Wolfgang: Eine Frage, die jetzt vielleicht überraschen wird, weil Selbstmord für Christen
Wolfgang: ja ein Tabu ist. Sein Glaube trieb ihn an.
Wolfgang: Er war ein unglaublich erfolgreicher Missionar in einer Diaspora,
Wolfgang: wo die Menschen gar nicht mehr an Gott glaubten.
Wolfgang: Hatte innerhalb von wenigen Monaten und Jahren seine Dorfkirche vollgekriegt,
Wolfgang: und war deshalb total im Zentrum der,
Wolfgang: Stasi, der Volkspolizei und der DDR-Behörden insgesamt, die ihn mundtot machen
Wolfgang: wollten, weil sie das nicht dulden konnten.
Wolfgang: Und er fühlte sich umzingelt und leider nicht nur von dem kommunistischen Staat,
Wolfgang: sondern dann zunehmend auch von seiner Landeskirche, die unter Druck des Staates
Wolfgang: leider nicht die große Solidarität mit ihm
Wolfgang: walten ließ, die er sich erwünscht hätte und die man vielleicht auch hätte wünschen können.
Wolfgang: Und er war ein Mann, der das Alte Testament liebte, die Zeichen,
Wolfgang: die Symbole und er sah zum Schluss keinen anderen Ausweg als dieses Fanal.
Wolfgang: Und es hat ja auch gewirkt.
Nico: Inwiefern das dann auch gewirkt hat, da würde ich gerne gleich auch nochmal
Nico: näher drauf eingehen, denn das war ja immerhin 1976 und nicht irgendwie so in
Nico: den letzten Tagen der DDR,
Nico: 1989, 90 und das ist ja dann schon noch einiges passiert danach, aber,
Nico: diese Selbstverbrennung, diese politische und eben auch christlich motivierte
Nico: Tat, die hat ja trotzdem einen wichtigen Punkt markiert.
Nico: Ich habe mal in dein Buch natürlich geschaut, aber auch noch in andere Quellen,
Nico: und habe dann unter anderem auch Abschiedsbriefe gefunden von Oskar Brüsewitz,
Nico: die ja auch in den Archiven noch einsehbar sind.
Nico: Er hat das also natürlich geplant, aber es wusste sonst keiner außer ihm. Stimmt das?
Wolfgang: Absolut, ja. Selbst seine Familie war völlig überrascht.
Wolfgang: Und auch deshalb, weil er eben sich darüber klar war, dass es nicht nur für
Wolfgang: seine Familie, sondern auch für seine theologischen Geschwister,
Wolfgang: also die Kolleginnen und Kollegen im Pfarramt,
Wolfgang: im Pfarrkonvent und darüber hinaus ein Problem sein würde, dass er Selbstmord begeht.
Wolfgang: Diese Frage ist aber für die Kirche mittlerweile geklärt.
Wolfgang: Gestern bei der Gedenkveranstaltung in Zeitz hat ja der Landesbischof gesprochen
Wolfgang: von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands.
Wolfgang: Und er hat noch einmal sehr deutlich gesagt, dass die Kirche diese Tat theologisch
Wolfgang: nicht infrage stellt. Ganz ausdrücklich hat er das gesagt.
Wolfgang: Und eigentlich ist die Frage auch schon vor 20 Jahren entschieden worden,
Wolfgang: als die beiden großen Kirchen in Deutschland ein Buch über die Märtyrer dieses
Wolfgang: Jahrhunderts veröffentlicht haben und Oskar Brüsewitz da aufgenommen wurde.
Wolfgang: Und das ist ja auch interessant, weil Märtyrer ja grundsätzlich,
Wolfgang: das heißt mit Ausnahmen, die sind, die für ihren Glauben gestorben sind, also ermordet wurden.
Wolfgang: Und Oskar Brüsewitz ist nun nicht ermordet worden. Er hat sich als Fanal selbst geopfert.
Wolfgang: Aber die Kirchen, so zertreten durch ihre höchsten Repräsentanten in Deutschland,
Wolfgang: haben das schon vor 20 Jahren anerkannt als Märtyrium.
Wolfgang: Eine schwierige Frage, aber wenn wir es jetzt von heute betrachten, er hat...
Wolfgang: Damals ganz viele Menschen aufgerüttelt zu seiner Beerdigung,
Wolfgang: obwohl die von der Stasi gehindert worden ist, Autobahnen geschmert,
Wolfgang: Landstraße blockiert, sind 70 Amtsbrüder im Talar erschienen und hinter dem Sarg hergegangen.
Wolfgang: Das war ein unglaubliches, demonstratives Zeichen, so wie er es geliebt hätte.
Wolfgang: Und du hast es eben gesagt, danach ist noch viel passiert.
Wolfgang: Aber tatsächlich danach, nach diesem Tag von Oskar Brüsewitz,
Wolfgang: ganz viele Bürgerrechtler haben später gesagt und sagen heute noch,
Wolfgang: das hat uns wachgerüttelt,
Wolfgang: das Fanal von Zeitz von Oskar Brüsewitz war der Anfang vom Ende der DDR, 13 Jahre vor 1989.
Nico: War denn Brüsewitz vorher schon aufgefallen als politischer Aktivist,
Nico: als irgendwie nicht systemkonformer? Oh ja, Pfarrer,
Nico: sodass das am Ende dann vielleicht auch niemanden überrascht hat,
Nico: dass wenn es jemand macht, dass es dann eben Oskar Brüsewitz ist oder wie muss
Nico: man sich das dann vorstellen?
Wolfgang: Ja, wenn du es so formulierst, ja, also er war bekannt über die Grenzen seines
Wolfgang: Fahrkreises hinaus für spektakuläre Aktionen, das schon, aber sich selbst in Flammen zu setzen,
Wolfgang: das war natürlich etwas total Ungewöhnliches,
Wolfgang: wobei es so ungewöhnlich auch nicht war.
Wolfgang: Denn kurz vorher in der Tschechoslowakei hatte sich ja Jan Pallach,
Wolfgang: ein junger Student, bei der Invasion der sowjetischen und Warschauer Pakt-Truppen im Brand gesetzt.
Wolfgang: Also diese Symbolik ist da und es gibt auch eine Doktorarbeit,
Wolfgang: die das sehr klug und ausführlich untersucht, die Zusammenhänge.
Wolfgang: Und also Oskar Brüsewitz war für spektakuläre Sachen und Provokationen des Staates bekannt.
Nico: Was hat er da zum Beispiel gemacht?
Wolfgang: Er hat zum Beispiel neben das Plakat in seinem Dorf, 25 Jahre DDR,
Wolfgang: ein Schild gestellt, wenige Meter weiter auf dem Kirchengrund,
Wolfgang: 2000 Jahre Kirche Jesu Christi.
Wolfgang: Das hört sich für uns heute profan an. In der DDR, die streng antikirchlich
Wolfgang: war, war das natürlich eine unglaubliche Provokation.
Wolfgang: Oder er hat gegen die staatliche Propaganda einen Pferdewagen beschwand und
Wolfgang: ist die 10 Kilometer in die Kreisstadt Zeitz gefahren, wie vor 50 Jahren an
Wolfgang: diesem denkwürdigen Tag.
Wolfgang: Und hat gesagt, ohne Sonne, ohne Gott, geht die ganze Welt bankrott.
Wolfgang: Und all solche Geschichten, das hat damals also in der Region schon für erhebliche Aufregung gesorgt.
Wolfgang: Er hat dieses Neonleuchtendkreuz an seinem Kirchturm aufgehängt,
Wolfgang: zusammen mit dem Elektrikermeister des Ortes, was auf die Fernstraße 2,
Wolfgang: heute Bundesstraße 2, geleuchtet hat.
Wolfgang: Eine ohnehörte Provokation für die Stasi und die Volkspolizei.
Wolfgang: Und sie haben es nicht gewagt, das abzuhängen.
Wolfgang: Es hängt übrigens noch heute. Ich habe es mir gestern wieder anschauen dürfen.
Nico: Die Kirche hatte in der DDR ja auch gewisse Freiheiten, anders als das vielleicht
Nico: andere Organisationen hatten und so.
Nico: Natürlich bin ich jetzt Westdeutschland und habe nie in der DDR gelebt,
Nico: aber für mich hört sich das jetzt eher so nach einer missionarischen Aktion an,
Nico: die du jetzt da genannt hast und jetzt nicht irgendwie nach großer Systemkritik
Nico: und so die Mauer muss weg oder so, wie es dann später hieß.
Nico: Kannst du uns das vielleicht ein bisschen einordnen, wie das damals gewirkt
Nico: haben muss, wenn man dann eben sagt, 2000 Jahre Christus, und was ist das Provokante daran?
Wolfgang: Dass die DDR ein bewusst atheistischer Staat war. Nicht nur die DDR,
Wolfgang: die ganzen kommunistischen Staaten.
Wolfgang: Und du hast völlig recht, für uns ist es heute schwer vorstellbar.
Wolfgang: Aber in der DDR wurden Christen systematisch benachteiligt.
Wolfgang: Seine Tochter zum Beispiel war die Klassenbeste in der erweiterten Oberschule.
Wolfgang: Sie durfte nicht studieren.
Wolfgang: Nein, falsch. Sie war die Beste in der Mittelstufe, durfte noch nicht mal auf
Wolfgang: die erweiterte Oberstufe und damit konnte sie nicht studieren,
Wolfgang: weil sie Pfarrerstochter war.
Wolfgang: Und er wurde tatsächlich schon frühzeitig
Wolfgang: beobachtet, weil er nicht an der Volkskammerwahl teilgenommen hat.
Wolfgang: Es gab eine faktische Wahlpflicht und es gab ja nichts zu wählen.
Wolfgang: Man musste also die Machthaber bestätigen.
Wolfgang: Und wer das demonstrativ nicht tat, der war schon ein Regimekritiker und wurde
Wolfgang: von der Stasi beobachtet.
Wolfgang: Was damals schrecklich war, für uns Historiker ist das natürlich eine Pfundgruppe,
Wolfgang: weil wir in jetzt ganz vielen Akten, sowohl von der Stasi als auch von der Volkspolizei,
Wolfgang: unglaubliche Zeugnisse von seinem erfolgreichen mistonarischen Wirken finden.
Wolfgang: Aber darüber können wir ja später nochmal sprechen. Also schon die Tatsache,
Wolfgang: dass man bewusst Christ war, war in der DDR,
Wolfgang: wo die große Kirche, die Kirchenleitung, sich zurückgezogen hatten und arrangiert
Wolfgang: hatten in einer Nische, eine Provokation.
Wolfgang: Und jetzt kam ja noch was hinzu. Dadurch, dass Brüsewitz so aktiv war und vor
Wolfgang: allem bei den Jugendlichen wirkte, hatte die staatliche Jugendbewegung,
Wolfgang: die Freie Demokratische Jugend, FDJ abgekürzt, überhaupt keine Chance mehr in der Region.
Wolfgang: Die Jugendlichen gingen alle zu Oskar Brüsewitz und seinen großartigen Veranstaltungen.
Wolfgang: Und damit war der Machtanspruch der DDR-Führung unterhöhlt und das durfte nicht sein.
Nico: Das heißt, da hat er ja gleichzeitig dann auch eine gewisse Anhängerschaft.
Wolfgang: Ja.
Nico: Und dann wird man auch zur Bedrohung, wenn man dann dadurch natürlich so für
Nico: Unruhe sorgt, aus Sicht des Staates.
Wolfgang: Ja, also lassen wir uns nochmal vergewägeln. Es war ein kleiner Dorfpastor,
Wolfgang: ja, in einem Kaff, ich sage es mal ganz deutlich.
Wolfgang: Das hat heute, ich will nicht lügen, 200 Einwohner, zweieinhalb Straßen und eine Kirche.
Wolfgang: Und auf diesen Dorfpastor waren ungefähr zwölf IMs, inoffizielle Mitarbeiter der Stasi, angesetzt.
Wolfgang: Einschließlich die Kirchensekretärin, die der Geheimdienst organisiert hatte für diesen Zweck.
Wolfgang: Der Kneipier oben an der Kreuzung zur F2,
Wolfgang: der war ein Schlitzel, alle nur um diesen kleinen Dorffacher,
Wolfgang: der aber tatsächlich sehr erfolgreich war und das Machtmonopol der kommunistischen
Wolfgang: Machthaber infrage stellte, in Zaum zu halten.
Nico: Und welche Repressionen hat er denn dann erlebt, außer dass er eben bespitzelt
Nico: wurde? Wurde er auch mal eingesperrt oder verhört oder so?
Nico: Also meine Frage geht so in die Richtung, warum dann die Selbstverbrennung?
Nico: Also hätte er nicht noch viele andere Möglichkeiten gehabt, wirklich noch direkt
Nico: auch politischen Einfluss zu nehmen und seine Anhängerschaft irgendwie noch
Nico: zu vergrößern und dann eine Bewegung anzustoßen?
Nico: Oder war das für ihn auch eine Verzweiflungstat?
Wolfgang: In der DDR 13 Jahre vor ihrem Ende war das noch nicht möglich,
Wolfgang: eine Opposition zu bilden, weil der Staat so mächtig war, dass er alles im Keim erstickt hat.
Wolfgang: Was heißt im Keim? Der Keim war ja vom Huiswitz geliebt, aber gleich danach.
Wolfgang: Also plötzlich brannte zum Beispiel seine Scheune.
Wolfgang: Und er wurde verhört, wenn er diese Aktion machte. Wurde er stundenlang verhört.
Wolfgang: Und die Menschen, die zu ihm kamen, auch die jungen Leute, wurden unter Druck gesetzt.
Wolfgang: Wenn du weiter zum Pfarrer Brisewitz gehst, kannst du nicht die erweiterte Oberstuhle
Wolfgang: gehen. Dann ist dein Leben verfuscht.
Wolfgang: Und so wurde zum Schluss, so um 75, 76, sozusagen die Umzingelung,
Wolfgang: wie er das nannte, immer enger.
Wolfgang: Nur noch ganz wenige Getreue hielten zu ihm und die Kirche, die vorher proppevoll
Wolfgang: war, die bestbesuchte Kirche im ganzen Kirchenkreis, wurde immer leerer.
Wolfgang: Und das hat er natürlich gespürt. Und dann kam ein Punkt, das haben wir jetzt
Wolfgang: erst in den Kirchenakten entdecken können.
Wolfgang: Dass er sich wenige Wochen vor seinem Fanal eingesetzt hatte für einen Menschen aus seinem Dorf.
Wolfgang: Das war ein Raufbold, ein Truckenbold, ein vielfacher Familienvater.
Wolfgang: Und der hatte im betrunkenen Zustand gegen das System gewettert und war in Haft
Wolfgang: gekommen. Und das reichte eben, wenn man sich ausdrücklich gegen den Staat wandte.
Wolfgang: Ich drücke es mal vornehm aus, da kam es so für mehrere Jahre in den Knast in der DDR.
Wolfgang: Das war ganz normal, obwohl der Mensch eben betrunken war. Aber das zählte nicht.
Wolfgang: Und er hatte, wenn ich mich recht, in Sinne sieben Kindern, Oskar Brüsewitz
Wolfgang: hat erst den Staatsanwalt und dann in einem Brief an den Staatsratsvorsitzenden
Wolfgang: Erich Honecker, also ganz nach oben,
Wolfgang: um Gnade für dieses Gemeindeglied gebeten und dann sogar angeboten,
Wolfgang: für ihn in den Knast zu gehen, damit dieser Familienvater Weihnachten zu Hause
Wolfgang: sein kommt, bei seinen Kindern und seiner Frau.
Wolfgang: Und das überhaupt vorzuschlagen und dann noch in einem Brief an den obersten
Wolfgang: Staatslenker und Diktator, das war absolut tabu in der DDR.
Wolfgang: Und sofort ist die ganze Maschinerie in Gang getreten. Nach dem Motto,
Wolfgang: wenn bekannt wird, dass der Brüsewitz den Staat so herausfordert, dann ist alles zu spät.
Wolfgang: Und da ist dann die Stasi, also die Staatsbehörden, endgültig auf die Kirchenleitung
Wolfgang: zugegangen und hat gesagt, wir haben euch schon so oft gewarnt,
Wolfgang: dass dieser Pfarrer jetzt die Klappe halten muss. Ich sage es mal im Plattdeutschen.
Wolfgang: Jetzt muss etwas geschehen, der muss da weg.
Wolfgang: Und da hat tatsächlich die Kirchenleitung in Magdeburg ihm die Versetzung nahegelegt.
Wolfgang: Und als er da nicht folgen wollte, hat man ihm eine sogenannte Dissitation angekündigt,
Wolfgang: also eine Untersuchung seiner Fahrgeschäfte, einschließlich der Finanzen.
Wolfgang: Und da hat er wohl große Angst vorgehabt, weil er natürlich nicht der Büromensch
Wolfgang: war, der alles ordnungsgemäß gemacht hat.
Wolfgang: Und so hatte sich zum Schluss der Kreis um ihn immer enger gezogen.
Wolfgang: Er fühlte sich unzingelt, um dieses Wort noch einmal zu zitieren.
Wolfgang: Und deshalb hat er in alttestamentarischer Manie und mit einem Buch von Bonhoeffer
Wolfgang: auf dem Nachttisch, was er vorher gelesen hatte, diese Verzweiflungstat getan.
Nico: Es ging dann ja sehr schnell, als er sich verbrannt hat, also in der offiziellen
Nico: Mitteilung der Stasi steht ja auch drin, der Versuch der Selbstverbrennung, wo dann das...
Nico: Eben zusammengefasst wurde, das heißt zusammengefasst, also sehr minutiös,
Nico: wie man das dann eben kennt, also inklusive was für ein Kennzeichen,
Nico: was für ein Auto fuhr er und so und so und dann,
Nico: ist er schon direkt von einem NVA-Soldaten mit einer Löschdecke irgendwie dann,
Nico: gelöscht worden oder das Feuer ist gelöscht worden, er ist dann ins Krankenhaus
Nico: gekommen, später gestorben.
Nico: Was ist in der Zeit zwischen der Selbstverbrennung und seinem Tod passiert?
Wolfgang: Er ist nicht sofort gerettet worden oder das Feuer gelöscht worden,
Wolfgang: sondern als die Stasi oder die Volkspolizei informiert worden ist,
Wolfgang: das war ja in der Innenstadt, ging alles relativ schnell, hat man zuallererst die Plakate entfernt,
Wolfgang: und sich dann erst um den Verletzten gekümmert.
Wolfgang: Und tatsächlich, ja, am 18. August war es der Versuch eines Selbstmordes aus
Wolfgang: Sicht der Polizei, denn er war noch nicht vollendet.
Wolfgang: Er ist ja dann sofort ins Krankenhaus gekommen, dann weiter transportiert worden
Wolfgang: in ein ehemals christliches Krankenhaus in Halle und lag dort dreieinhalb Tage
Wolfgang: auf der Intensivstation.
Wolfgang: Interessant ist auch, was die Stasi und die Volkspolizei in der Zeit gemacht
Wolfgang: haben, nämlich ihn komplett isoliert.
Wolfgang: Weder seine Familie noch Fahrkollegen, die ihm hätten geistlichen Beistand geben
Wolfgang: können, durften in dieser Zeit zu ihm.
Wolfgang: Man hat ihn praktisch schon als Gefangenen behandelt und er war aber einige
Wolfgang: Male bei Bewusstsein, obwohl er fürchterlich verbrannt gewesen ist,
Wolfgang: und hat dem ihn behandelten Arzt noch einmal ausdrücklich gesagt,
Wolfgang: ich habe es getan, um gegen den Kommunismus zu protestieren.
Wolfgang: Das ist allerdings erst Jahre später bekannt geworden, weil ein Fahrkollege
Wolfgang: diesen Arzt ausfindig gemacht hat und befragt hat.
Wolfgang: Der hat das natürlich gleich danach nicht zu Protokoll geben wollen bei der Kirche.
Wolfgang: Das wäre zu gefährlich gewesen auch für ihn.
Nico: Du bist ja jemand, der die Quellenlage sehr, sehr gut kennt.
Nico: Also die Offiziellen, die Inoffiziellen, das, was jetzt auch neu gekommen ist.
Nico: Damals, was über ihn damals bekannt war, war das irgendwie dann doch auch zu
Nico: erwarten, dass da sich etwas ankündigt, dass da was in der Luft liegt?
Nico: Weil seine Frau hat ja dann irgendwie auch berichtet, dass er an diesem Morgen
Nico: irgendwie nochmal alle Rosen geschnitten hat und sich dann von ihr nochmal verabschiedet
Nico: hat. Und ich glaube, er hat sie auch gefragt, liebst du mich wirklich?
Nico: Also so ein bisschen wie, wo man irgendwie so an die Frage von Jesus,
Nico: weide meine Lämmer oder so.
Nico: Da muss ich zumindest dran denken. Wie würdest du das einschätzen in den Tagen davor? Ja.
Nico: Oder Wochen vielleicht davor.
Wolfgang: Sagen wir es so, niemand der direkt Beteiligten, weder seine Familie noch seine
Wolfgang: Fahrkollegen, haben es geahmt.
Wolfgang: Im Rückblick gibt es einige Zeichen. Zum Beispiel hat er angefangen,
Wolfgang: sein eigenes Grab auszuheben.
Wolfgang: Und zwar nicht auf dem Friedhof, sondern auf der anderen Seite der Kirche,
Wolfgang: in der sogenannten Selbstmörder-Ecke, wo schon ein anderer lag.
Wolfgang: Und als er gefragt wurde, warum hebst du da ein Grab aus, hat er gesagt,
Wolfgang: sinngemäß, da wird jemand kommen.
Wolfgang: Also da hätte man sich natürlich schon Gedanken machen können.
Wolfgang: Wie kann er wissen, dass jemand in der Selbstmörderecke begraben werden muss?
Wolfgang: Aber wir kennen das, im Nachhinein ist man oft schlauer und es war eben so eine
Wolfgang: ungeheuerliche Tat, dass man das nicht in Erwägung zog.
Wolfgang: Man hat gedacht, der macht vielleicht nochmal irgendeine spektakuläre Geschichte
Wolfgang: mit seinem Zärtegeschwann oder was auch immer.
Wolfgang: Aber nein, das hat niemand erwartet.
Nico: Seine Botschaften, also das sind ja zwei Plakate, die sehr ähnliche Botschaften
Nico: haben. Einmal wir klagen den Kommunismus an, einmal die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an.
Nico: Wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen,
Nico: beziehungsweise wegen Unterdrückung in Schulen an Kindern und Jugendlichen.
Nico: Auf mich wirkt das so fast, als ob da, also es ist ja im wahrsten Sinne des
Nico: Wortes sehr plakativ, sehr kurz, sehr knapp, aber irgendwie dann auch redundant.
Nico: Wo ist das Manifest, die große Erklärung, die man ja normalerweise hat bei solchen
Nico: Taten, wenn das irgendwie die vergleichbar sind, also politische,
Nico: Selbstmorde, gibt es da auch was oder hat er sich wirklich dann davon versprochen vor diesen,
Nico: beiden Plakaten, dass die dann ihre Wirkung entfalten?
Nico: Das ist ja auch keine Begründung oder so jetzt genannt, sondern eigentlich einfach
Nico: nur, ich protestiere oder die Kirche protestiert.
Wolfgang: Ja, aber das hatte vor 50 Jahren eine ganz tiefe Bedeutung für das Publikum in der DDR.
Wolfgang: Da müssen wir vielleicht ein bisschen weiter ausrollen. Die Kirche hatte sich
Wolfgang: damals unter dem massiven Druck der DDR, man durfte zum Beispiel keine neuen
Wolfgang: Kirchen bauen, auch in Neuburg gewirkt und nicht und so weiter,
Wolfgang: als Kirche im Sozialismus arrangiert und ein Miteinander mit dem Staat versucht,
Wolfgang: was aber letztlich eine Unterordnung war, eine ganz klare Unterordnung.
Wolfgang: Und wenn jetzt ein Dorfpastor sagt, die Kirche klagt an, dann ist das auch eine
Wolfgang: Anklage gegen die Kirche, nicht nur gegen den Staat.
Wolfgang: Und das hat jeder sofort verstanden.
Wolfgang: Und deshalb war es so bedeutsam, dass so viele Pastoren aus der weiteren Umgebung,
Wolfgang: einige sind aus Rostock angereist, also durch die halbe DDR über Autobahnen,
Wolfgang: die es damals noch gar nicht gab. Das war eine Tagesreise, mindestens.
Wolfgang: Deshalb war das so bedeutsam. Also die Menschen damals haben sofort verstanden,
Wolfgang: das ist gegen den Staat, das war schon unerhört, aber es ist auch gegen die Kirche.
Wolfgang: Und hier fängt es jetzt an, spannend zu werden, gerade für theologisch und kirchlich Interessierte.
Wolfgang: Im Ergebnis nach dieser Tat und als der Staat anfing, ihn zu verleumden,
Wolfgang: als für viele Kranken und Verrückten, sind Christen aufgestanden und haben gesagt,
Wolfgang: erstens, das stimmt nicht, wir kannten ihn.
Wolfgang: Und zweitens, Kirchenleitung, hast du ihn damals nicht im Stich gelassen?
Wolfgang: Es gab Kirchentage, regional und überregional, die zu einer massiven Anklage
Wolfgang: der Gläubigen, also der kleinen Christen vor Ort, gegen die Kirchenleitung geworden sind.
Wolfgang: Und die Kirchenleitung musste darauf reagieren. Sie hat reagiert.
Wolfgang: Sie ist klarer geworden gegenüber dem Staat.
Wolfgang: Der Staat hat gemerkt, er muss da was
Wolfgang: tun. Es gab das sogenannte Staat-Kirchen-Gespräch wenige Monate später.
Wolfgang: Danach wurden wieder Kirchenbauten erlaubt, auch in Neubaugebieten wie in Halle,
Wolfgang: also nicht weit davon entfernt.
Wolfgang: Und er hat allein dadurch in der Kirche und im Verhältnis Staat-Kirche eine Menge bewirkt.
Wolfgang: Und die zweite Wirkungsebene ist, dass eben über die Christen,
Wolfgang: hinaus, die damals aufgerüttelt worden sind und mutiger geworden sind und dann
Wolfgang: später ja die Freiräume für die friedliche Revolution geschaffen haben in ihren Kirchen,
Wolfgang: auch nicht christliche, wir würden heute sagen Bürgerrechtler,
Wolfgang: also politisch Interessierte und gegen das Regime Eingestellte für die Freiheit
Wolfgang: Eintretende oder für Umweltschutz Eintretende.
Wolfgang: Aufgerüttelt worden sind und gemerkt haben, man kann was tun.
Wolfgang: Man muss sich ja nicht gleich selbst in Brand setzen, aber dieser Staat ist angreifbar.
Wolfgang: Und deshalb sind alle, egal aus welcher Richtung der politischen Opposition
Wolfgang: dann später kommend, heute sich sehr, sehr einig, dieses Fanal war der Anfang
Wolfgang: vom Ende der DDR. Das war eine Zäsur.
Nico: Und diese Aktion hat ja sicher auch die staatliche Führung dann in Panik versetzt,
Nico: oder zumindest wurde sich herausgefordert jetzt damit umzugehen, du hast eben gesagt,
Nico: er wurde dann natürlich irgendwie als psychisch Kranker dann geframed.
Nico: Wie war das da? Wie war da die Kommunikationspolitik? Da haben dann Leute widersprochen,
Nico: aber wie widerspricht man da in so einem Regime?
Nico: Öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand?
Wolfgang: Gute Frage. Also erst einmal die Kirche, die Stasi, nein Entschuldigung,
Wolfgang: die Stasi und der Staat haben die Devise ausgegeben an die Kirche.
Wolfgang: Dieser Vorfall bleibt gehalten.
Wolfgang: Und das blieb ja auch die ersten Tage. Es ist Manfred Stolpe,
Wolfgang: der uns ja später bekannt geworden ist mit seiner Stasi-Verquickung und Ministerpräsident
Wolfgang: von Brandenburg in dem wiedervereinigten Deutschland.
Wolfgang: Der war damals Jurist im Kirchenbund der DDR, also dem Zusammenschluss der evangelischen Landeskirchen der DDR.
Wolfgang: Und der ist sofort alarmiert worden und nach Magdeburg gefahren in einem klapprigen
Wolfgang: Auto zur Kirchenleitung und hat gesagt, das ist eine Situation,
Wolfgang: die Solidarität von der Kirche mit dem Staat erfordert.
Wolfgang: Und der Bischof war damals auf Auslandsreise in Afrika, der Probst war überfordert
Wolfgang: und sie haben tatsächlich geschwiegen.
Wolfgang: Und dann war es aber so, dass dieses...
Nico: Wie kommt Manfred Stolpe, der ja nachher auch Ministerpräsident von Brandenburg
Nico: war und auch Bundesverkehrsminister, SPD-Politiker, wie kommt er zu so einer Einschätzung?
Wolfgang: Ja, das ist ein eigenes Thema. Der hat einen Anruf bekommen.
Wolfgang: Es war nicht seine Eigenschaft als Jurist im Kirchenbund der DDR,
Wolfgang: sondern es war eher ein Auftrag der Stasi. Fahr dahin und sorgt für Ruhe.
Nico: Wurde er unter Druck gesetzt, das zu tun?
Wolfgang: Das wissen wir nicht. Da gibt es keine Akten drüber. Aber interessant ist auch,
Wolfgang: dass sein Counterpart in Magdeburg
Wolfgang: in der Kirchenleitung, der dortige Kirchenjurist und spätere Präsident,
Wolfgang: der Kirchenverwaltung, der Herr Hammer, der wurde später ganz offiziell in den
Wolfgang: Status eines Offiziers im besonderen Einsatz der Stasi befördert.
Wolfgang: Also der war damals wahrscheinlich auch schon in diesem Netzwerk,
Wolfgang: sodass da die Stasi auf bestehende Kontakte, ich sag's mal ganz vorsichtig,
Wolfgang: zurückgreifen konnte. Und die haben auch funktioniert.
Wolfgang: Die haben funktioniert. Die Kirchenleitung hat erstmal geschwiegen.
Wolfgang: Aber das hat schon damals, also damals heißt Stunden danach,
Wolfgang: die Basis der Gläubigen nicht akzeptiert. Ein Studienkollege von ihm,
Wolfgang: Klaus-Kreiner Latt, ist nach Berlin gefahren.
Wolfgang: Das hört sich heute einfach an, war es damals nicht. und hat sich durchgefragt
Wolfgang: zu den Korrespondenten der beiden großen westdeutschen Fernsehsender und hat darüber berichtet.
Wolfgang: Und abends kam es dann im Fernsehen, im Westfernsehen, und damit wurde es natürlich
Wolfgang: auch in großen Teilen der DDR gesehen.
Wolfgang: Und damit war die Nachricht in der Welt. Und dann hat das Regime die Trumpfkarte
Wolfgang: Verleumdung gezogen, das konnte die Stasi ja gut,
Wolfgang: und hat ihn zu einem psychisch Kranken und einem Menschen, der angeblich nackt
Wolfgang: mit Kindern Fußball gespielt hat, und solchen Geschichten abgestempelt.
Wolfgang: In großen Artikeln in allen Parteizeitungen der DDR, auch in der Zeitung der sogenannten CDU.
Nico: Hat die Kirche da mitgemacht? Ja, die Blockpartei CDU.
Wolfgang: Die Blockpartei, die hat ja mit der Kirche nichts zu tun, auch wenn sie christlich im Rahmen hatte.
Wolfgang: Mit diesen Artikeln hatte die Kirche nichts zu tun und hat sich später auch davon distanziert.
Wolfgang: Aber vor allem, und das war ja deine Frage, haben dann ganz viele von der Basis
Wolfgang: Leserbriefe geschrieben.
Wolfgang: Und das hört sich für uns heute ganz normal an. Ich schreibe mal schnell eine E-Mail.
Wolfgang: Aber damals war so ein Leserbrief an eine Parteizeitung mit Kritik an einer
Wolfgang: Artikel, von dem wir heute wissen, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit von
Wolfgang: Erich Honecker wie selbst war, der das Ganze, das ist belegt,
Wolfgang: einen kontrrevolutionären Akt nannte.
Wolfgang: Also Erich Honecker hat sich höchstpersönlich mit dem Fanar von Oskar Brüsewitz
Wolfgang: auseinandergesetzt und wahrscheinlich sogar diesen verleumderischen Artikel geschrieben.
Wolfgang: Und dagegen zu protestieren war allein schon wieder ein Haftgrund,
Wolfgang: um in den Knast zu kommen.
Wolfgang: Das haben aber viele Christen getan und haben gesagt, das geht absolut nicht.
Wolfgang: Richard Schröder zum Beispiel hat gesagt, das ist eine Art von Mord,
Wolfgang: was ihr da begeht, Rufmord.
Wolfgang: Und auf diese Reaktion musste die Kirche dann reagieren und hat das auch solidarisch getan.
Wolfgang: Und auch die starke Resonanz zu seiner Beerdigung, die der Staat natürlich eigentlich
Wolfgang: auch gar nicht wollte und vor der er eine Riesenangst hatte,
Wolfgang: also die 70 Pastoren im Talar, das war eine Reaktion darauf,
Wolfgang: auf diese ungeheuerliche Tat des Staates,
Wolfgang: und eben eine große Form der Solidarität.
Wolfgang: Und am Grab hat der Popst wieder in Vertretung des abwesenden Bischofs gesagt,
Wolfgang: wir distanzieren uns von unserem Bruder und dem Menschen Brüsewitz nicht.
Wolfgang: Bezogen auf den Selbstmord, der eben eine Bürde ist für das Verständnis.
Wolfgang: Aber nein, ab diesem Punkt hat die Kirche sich nicht distanziert,
Wolfgang: sondern hinter Brüsewitz gestellt.
Nico: Wie hat sich dann die Kirchenleitung verhalten? War das dann eher so Graswurzel-mäßig,
Nico: oder wurde die Kirche dann auch selbstbewusster in der Leitung?
Wolfgang: Langsam, langsam, unter dem Druck der Basis. Aber die Kirchenleitung hat extrem
Wolfgang: laviert, muss man vielleicht auch verstehen, die war unter massiven Druck von oben.
Wolfgang: Wenn der Chef des Regimes sagt, das ist ein kontrarevolutionärer Akt und man
Wolfgang: sich damit solidarisiert, was man getan hat zum Schluss, dann ist man selbst kontrarevolutionär.
Wolfgang: Und man musste aber ja an die Gesamtheit der Kirche denken und wusste nicht,
Wolfgang: wie es ausgeht. Wir haben es heute einfach. Wir können das 50 Jahre rückblickend
Wolfgang: betrachten, wissen, die DDR ist damals gescheitert später.
Wolfgang: Aber das wussten die Menschen ja damals noch nicht. Und wir müssen immer uns
Wolfgang: vor Augen halten, eine Opposition in der DDR vor 50 Jahren, 1976,
Wolfgang: gab es nicht. In Polen war das anders.
Wolfgang: Aber die Unterdrückung in der DDR, die war massiv.
Nico: Wie würdest du da Oskar Brüsewitz theologisch einschätzen oder einsortieren?
Nico: Die Kirche in der DDR war ja eine ganz andere als in der Bundesrepublik,
Nico: auch die Rahmenbedingungen natürlich, aber auch die theologische Prägung war ja durchaus anders.
Nico: Ich weiß nicht, ob heutige Vokabeln da irgendwie so passen würden,
Nico: aber wie würdest du ihn beschreiben von seiner Theologie her,
Nico: was ihm wichtig war, auf wen er sich berief, was er ablehnte wem er folgte oder
Nico: war es einfach sagt er, ist er einfach Protestant und.
Wolfgang: Fertig also die heutigen Klischees passen tatsächlich gar nicht,
Wolfgang: gar nicht da sind wir in einer ganz anderen Welt, glücklicherweise muss man sagen,
Wolfgang: aber liberal oder konservativ und so weiter das passt nicht,
Wolfgang: das war ihm auch völlig egal er war ein unbedingter Nachfolger Jesu Christi
Wolfgang: Er wollte die Menschen mit seinem Herrn und Heiland bekannt machen.
Wolfgang: Der Talar war das Kleid des Sieges, so nannte er es ständig.
Wolfgang: Wurde auch gestern vom Bischof noch mal ausdrücklich so gewürdigt.
Wolfgang: Und er war eher der Mann des Alten Testamentes, also der Zeichen, der Symbole.
Wolfgang: Er hat also zum Beispiel ganz viele Tiere in seinem Gottesdienst,
Wolfgang: in der Dorfkirche, in den Predigten, ich will nicht sagen zu Wort haben lassen,
Wolfgang: aber benutzt, um es plastischer zu machen.
Wolfgang: Ja, also da war nicht irgendwie die Rede von einem Lamm, da kam dann ein Schaf nach vorne.
Wolfgang: Und das war auf dem Dorf natürlich auch völlig normal und hat die biblischen
Wolfgang: Geschichten plastisch gemacht.
Wolfgang: Für akademische Theologen war das natürlich viel zu einfach.
Wolfgang: Aber lass uns noch mal vergewissern. Es war ein Dorffahrer, der eine tote Dorfgemeinde
Wolfgang: wieder zum Leben erweckt hat und gefüllt hat seine Dorfkirche.
Wolfgang: Und dafür war er genau richtig. Es kommt ja immer auf die Zielgruppe ab.
Nico: Wie ging es dann weiter? Also es gab diese Aufregung, es gab die Beerdigung,
Nico: 70 Pfarrer haben in Talar ein
Nico: Zeichen gesetzt und so langsam begann sich vielleicht was zu verändern.
Nico: Aber wie ging es dann weiter in der DDR?
Nico: Und wie wurde es sich auch später vielleicht auf ihn berufen,
Nico: als es dann eben so zu den Montagsdemonstrationen ging und so?
Wolfgang: Es ging insofern weiter, als über diese Kirchentage die Kirchenleitung zu einem
Wolfgang: immer klareren Kurs gedrängt wurde.
Wolfgang: Ich will nicht sagen gezwungen, aber eben gedrängt von der Kirchenbasis und
Wolfgang: das tatsächlich auch gegenüber dem Staat und der der Staatsführung artikuliert hat.
Wolfgang: Und dass die sichtbaren Benachteiligungen von Christen, die zum Beispiel in
Wolfgang: der Schule, dass man, wenn man zum Konfirmationsunterricht ging,
Wolfgang: was nur ganz, ganz wenige ohnehin taten, aber nicht mehr erkennbar drangsaliert
Wolfgang: und schikaniert wurde, das hat sich gebessert.
Wolfgang: Und wenn wir denken, was dann 13 Jahre später, 12 Jahre, 11 Jahre später langsam
Wolfgang: passiert ist, dass Pastoren den Mut gehabt haben, ihre Kirchen für Andersdenkende zu öffnen,
Wolfgang: Schwerter zu Flugscharen, ich darf das in Erinnerung rufen, das wäre 1976 noch undenkbar gelesen.
Wolfgang: Aber unter dem Eindruck von dieser Tat haben eben Menschen,
Wolfgang: auch gerade aus dem Bereich der Kirche, Dinge gemacht, die das Monopol des Staates,
Wolfgang: das Meinungsmonopol, nämlich Krieg muss sein und Schülerinnen und Schüler müssen
Wolfgang: einen Wehrkundeunterricht ableisten, schon vor der Wehrpflicht,
Wolfgang: das haben diese Christen in Frage gestellt.
Wolfgang: Und das ist alles eine Folge von Oskar Brüselitz.
Nico: Dein Buch heißt ja, also das Fanal, das Opfer des Pfarrers Oskar Brüsewitz am
Nico: 18. August 1976 und die Evangelische Kirche, direkt im Titel.
Wolfgang: Ja, das ist uns wichtig.
Nico: Das heißt, die Rolle der Evangelischen Kirche. Und du hast jetzt in der dritten
Nico: Auflage, die dritte erweiterte Auflage 2026, da ist dann hinten im Buch,
Nico: sind dann auch neue Erkenntnisse drin.
Nico: Du hast ja schon vor, ich glaube vor 33 Jahren versucht Einblick zu bekommen
Nico: in bestimmte Dokumente, was dir verwehrt blieb.
Nico: Wie hat sich das dann entwickelt? Wie ist auch deine eigene Recherche gelaufen?
Nico: Welche Fragen hattest du da auch an die Kirche und wie hat sich da die Kirche positioniert heute?
Wolfgang: Also tatsächlich habe ich mich schon seit 50 Jahren für das Thema interessiert.
Wolfgang: Meine Familie kommt aus Halle und Leipzig. Meine Eltern sind geflüchtet.
Wolfgang: Ich bin als Flüchtlingskind in Hannover geboren, 1950.
Wolfgang: Und als der 18.
Wolfgang: August 1976 war, war ich 17 Jahre alt.
Wolfgang: Und das hat mich betroffen, weil es eben die Heimat meiner Eltern im weitesten Sinne war.
Wolfgang: Und damals hat man natürlich kaum etwas gewusst. Wir wussten tatsächlich,
Wolfgang: was auf den Plakaten stand, weil glücklicherweise eine Reisegruppe aus Westdeutschland,
Wolfgang: damals eine absolute Seltenheit, just in dem Moment der Tat des Fanals in Zeits vorbeifuhr.
Wolfgang: Und die haben auf die Plakate geschaut und haben das im Westen berichtet.
Wolfgang: So, dann konnten wir aber viel mehr nicht rauskriegen. Wir haben das Brüsewitz-Zentrum
Wolfgang: gegründet, junge Menschen um Otto von Habstwerk herum, Pan-Europa-Jugend,
Wolfgang: Pan-Europa-Union und Brüsewitz.
Wolfgang: Nach der Wende wollten wir dann die Archive anschauen. Die Stasi-Archive konnten
Wolfgang: wir sehr schnell benutzen. Das war schon sehr hilfreich.
Wolfgang: Aber das Kirchenarchiv in Magdeburg blieb uns verschlossen.
Wolfgang: Ich bin da mehrfach hingefahren, wurde freundlich, aber bestimmt darüber informiert,
Wolfgang: die Personalakte ist nicht einsehbar.
Wolfgang: Und das wurde damals damit begründet, dass seine Sitze noch lebte und eine Sitzenrente bezog.
Wolfgang: Und da gibt es so eine Regel, die kann man befolgen oder auch nicht,
Wolfgang: dass eine Akte dann noch nicht geschlossen ist, wenn dann auch Zahlungen daraus
Wolfgang: erfolgen und deshalb bleibt sie gesperrt für die Öffentlichkeit.
Wolfgang: Heute wissen wir, dass sie aus einer ganz anderen Akte Geld bezogen hat.
Wolfgang: Also das war auch vorgeschoben.
Nico: Das hört sich aber auch, also wenn man einen Journalist so eine Antwort bekommt,
Nico: dann denkt man sich ja auch, also Kooperativ ist ja auch ein bisschen was anderes
Nico: oder der Wille zur Aufarbeitung.
Wolfgang: Nun, das habe ich sogar noch ein bisschen krasser gedacht und habe es ja auch
Wolfgang: entsprechend in der zweiten Auflage vermerkt.
Wolfgang: Immerhin 1999 haben wir keinen Einblick bekommen. Das war ja schon zehn Jahre nach der Wende.
Wolfgang: So, und jetzt haben wir überlegt, zum 50. Jahrestag müssen wir eine neue Auflage
Wolfgang: machen. Und wir haben nochmal die Kirchenleitung gefragt und ich bekam die Antwort,
Wolfgang: wir finden die Akte nicht.
Wolfgang: Die Witwe war schon längst heimgegangen, seit zehn Jahren. Und es ist eine Person der Zeitgeschichte.
Wolfgang: Und ein paar Monate später würde der Bischof sprechen. Ja, das ist gestern passiert. Toll.
Wolfgang: Und die sagen mir allen Ernstes, die Akte ist verschwunden. Oder zumindest nicht
Wolfgang: auffindbar. Ja, noch ein feiner Unterschied.
Wolfgang: Also ich habe mich natürlich damit nicht zufrieden gegeben. Und ein paar Wochen
Wolfgang: später war sie ja aufgefunden. Und allen war es sehr peinlich.
Wolfgang: Und ich habe sie dann in Magdeburg als erste einsehen dürfen.
Wolfgang: Aber sie war geflattert. Und aus dem Jahr 76, dem entscheidenden Jahr, da fehlt fast alles.
Wolfgang: Das Spannende an Akten ist, aber du hast ja noch andere Akten,
Wolfgang: zum Beispiel vom Bischof.
Wolfgang: Und da fanden wir viele Belege auch über die Gespräche des Probstes,
Wolfgang: wo es um die Versetzung ging und so weiter.
Wolfgang: Also wir können es inzwischen sehr gut nachverfolgen und lückenlos präsentieren.
Wolfgang: Aber leider, die Kirche hat sich mit der Aufarbeitung sehr, sehr schwer getan.
Wolfgang: Wir haben sogar nach der Wendezeit, als wir es erstmals probiert haben,
Wolfgang: die Akte zu bekommen. Gerade Aktenvermerke von führenden Mitarbeitern in der
Wolfgang: Kirchenverwaltung, die Wessis sollen diese Akte nicht sehen.
Nico: Es ist natürlich Spekulation, man kann sich auch seine Gedanken natürlich dazu
Nico: machen, aber was vermutest du dahinter?
Nico: Also was soll da vertuscht werden oder hast du irgendwelche Hinweise darauf,
Nico: welche Leute da auch eine Rolle spielen könnten?
Nico: Man kann sich ja wahrscheinlich von den Stasi-Akten besser herleiten,
Nico: zumindest dann 1976, als jetzt aus den kirchlichen Dokumenten,
Nico: aber was könnte da im Hintergrund stehen?
Wolfgang: Auch die Stasi hat bestimmte Akten zum Fall Prusovitz ganz schnell vernichtet,
Wolfgang: weil bestimmte Dinge nicht bekannt werden sollten.
Wolfgang: Ich will nicht spekulieren, man kann sich manches vorstellen.
Wolfgang: Einerseits war natürlich dieser Aspekt, die Bessis sollen uns nicht unsere Geschichte klauen.
Wolfgang: Der war sicherlich vorhanden, der ist bis zu einem bestimmten Punkt sicherlich
Wolfgang: auch nachvollziehbar, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.
Wolfgang: Und dann war, glaube ich, da auch ein gewisses Schuldgefühl.
Wolfgang: Weil die Kirchenleitung ganz klar, wie wir heute wissen, ihn unter Druck gesetzt hat.
Wolfgang: Im Auftrag oder unter dem Druck des Staates, das wollen wir nicht verschweigen,
Wolfgang: aber sie war vor der Tat und deshalb kam es zur Tat nicht solidarisch mit ihrem
Wolfgang: mutigen und sehr missionarisch erfolgreichen Bruder Brüsewitz.
Nico: Einen Monat vor der Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz riet der Probst Günther Bronisch,
Nico: Brüsewitz ja ausdrücklich, was man in eurem Buch lesen kann,
Nico: sich umgehend in eine andere Fahrstelle versetzen zu lassen.
Nico: Was hat es denn damit auf sich?
Wolfgang: Ja, das ist genau der Punkt. Und weil Brüsewitz dann gezögert hat,
Wolfgang: um es vorsichtig auszudrücken, also es nicht wollte, das sah nach ihm nach Flucht
Wolfgang: aus der Verantwortung aus, hat man Brüsewitz dann eine Visitation angekündigt.
Wolfgang: Und er wusste, wie Visitationen vorher in ähnlichen Situationen abgelaufen waren.
Wolfgang: Und es war ihm klar, das wird eine Anklage und dann wird er vielleicht seines Amtes enthoben.
Wolfgang: Also wir wissen, das war eine ganz klare Strategie. Wir haben die in den Akten
Wolfgang: gefunden von der Kirchenleitung, ihn da zu entfernen.
Wolfgang: Und das ist eben der Punkt. Die Kirche war in dem Punkt, in diesem entscheidenden
Wolfgang: Punkt nicht solidarisch mit ihrem Bruder.
Nico: Und jetzt warst du ja gestern auf der Gedenkveranstaltung und du hattest mir
Nico: auch vorher berichtet, da ist dann doch ein Umdenken auch gewesen.
Nico: Wie würdest du das beschreiben?
Wolfgang: Ich habe mich sehr gefreut über die Worte des Landesbischofs.
Wolfgang: Der hat natürlich gesagt, wir wissen heute noch längst nicht alles und das kann
Wolfgang: ich nur unterstreichen, Aber er hat diese ganzen Dimensionen dargestellt,
Wolfgang: auch die Kritik an der Kirche, an der damaligen Kirchenleitung.
Wolfgang: Und das ist ein sehr abgewogener Blick. Also diese Rede des Bischofs kann ich
Wolfgang: empfehlen nachzulesen.
Nico: Wenn ich sie finde im Pressebereich der EKM, dann werde ich sie gerne verlinken.
Wolfgang: Das wäre toll, ja.
Nico: Jetzt bist du schon so lange auch als gestandener Journalist,
Nico: du hast bei der FAZ gearbeitet, du hast den Verband Evangelischer Bekenntnisschulen geleitet,
Nico: hast sehr viel Erfahrung und blickst jetzt auf dieses Thema,
Nico: auf diesen Pfarrer, der vor 50 Jahren gestorben ist.
Nico: Was sagt uns Prüsewitz heute?
Wolfgang: Erstens, es lohnt sich immer und es ist unser Auftrag, den Herrn Jesus zu verkündigen.
Wolfgang: Auch Menschen, die vielleicht von ihm erstmal nichts hören wollen,
Wolfgang: auch wenn die Kirche leer ist, es ist unser Auftrag.
Wolfgang: Und wie wir bei Brüsel sehen, es kann erfolgreich sein. Auch in der tiefsten
Wolfgang: Diaspora kann man Erfolge haben.
Wolfgang: Und in der Kirche, die schrumpft, ist das, glaube ich, heute ein wichtiges Signal.
Wolfgang: Und zweitens, nicht aufgeben und sich auch nicht unterkriegen lassen.
Wolfgang: Auch wenn man sich umzingelt, wähnt, gibt es immer Möglichkeiten,
Wolfgang: hoffentlich nicht, ein Fanal, aber jedenfalls niemals aufgeben,
Wolfgang: sondern mutig sein und den Herrn Jesus bekennen.
Nico: Wolfgang, vielen Dank für deine Worte, für deine Einblicke.
Nico: Das ist ein absolut spannendes Thema, was so ein bisschen auch gerade bei den
Nico: jüngeren Menschen droht, vergessen zu werden oder in Vergessenheit zu geraten.
Nico: Und deswegen finde ich es sehr wichtig, dass du darauf aufmerksam machst,
Nico: dass du dir die Zeit genommen hast für diesen Podcast.
Nico: Und ich kann nur empfehlen, das Buch zu lesen, das Fanal des Opfer des Pfarrers Oskar Brüsewitz.
Nico: Alles Gute und bis zum nächsten Mal.
Wolfgang: Tschüss.
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